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Claudia Wieser: Portraits
11 Dec 2010 - 12 Feb 2011
11 Dec 2010 - 12 Feb 2011
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«Jedes Möbel, jedes Ding, jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte, die Geschichte der Familie. Die Wohnung war nie fertig; sie entwickelte sich mit uns und wir in ihr. Wohl war kein Stil darin. Das heisst kein fremder, kein alter. Aber einen Stil hatte die Wohnung, den Stil ihrer Bewohner, den Stil der Familie.» (Adolf Loos, Ins Leere gesprochen : 1897 - 1900, 1. Neuaufl.. - Wien : Prachner, 1987)
So schreibt Adolf Loos gegen die «stilvollen», von den Architekten durchgeplanten Wohnungseinrichtungen seiner Zeit an – bei denen aber der «geistige Zusammenhang» mit den Bewohnern fehlte – und gab damit seine Einschätzung vom magischen, geistvollen Möbel zu erkennen.
Für ihre Einzelausstellung Portraits in der Galerie SCHAU ORT hat Claudia Wieser die Bildseiten des Buches Wiener Bürgermöbel (1740-1790), das in den 20er Jahren publiziert wurde, zur Inspirationsquelle genommen. Die schwarzweissen Lichtdruck-Bilder setzen die einzelnen Möbel prominent in Szene. Vor einer leeren Wand fast frontal zum Betrachter aufgestellt, wirken der Sessel und der Sekretär daneben wie ein Ehepaar, das vor einer Kamera posiert. Mit ihren feinen zeichnerischen Eingriffen hebt Wieser diese «Persönlichkeit» zusätzlich hervor. Sie legt eine dichte Struktur aus Bleistiftstrichen um die Möbel und lässt sie wie im Scheinwerferlicht erscheinen. Wie schon in früheren Zeichnungen, in denen Claudia Wieser die Landschaften auf alten Postkarten mit wenigen, präzisen Linien in utopische Szenerien transformierte, verändert sie in dieser Serie mit einfachen Eingriffen den Blick auf die Möbelstücke. Die Fotos der Möbel überträgt Claudia Wieser auch in eine Wandarbeit: Eine Collage aus den vergrössert kopierten Abbildungen klebt die Künstlerin direkt auf die Wand. So bearbeitet und in den Raum integriert, erscheinen sie wie architektonische Strukturen.
In ihren Arbeiten verbindet Claudia Wieser immer wieder Referenzen, Formenvokabulare und Techniken aus Kunst, Architektur und Kunsthandwerk. Den be- und verarbeiteten Abbildungen der Bürgermöbel stellt sie weitere Zeichnungsarbeiten gegenüber: Mit Blattgold oder Farbstift auf Papier, oder in Reliefs aus eingefärbtem Holz sucht Wieser nach immer wieder neuen Möglichkeiten, Formen und Ornamente zu kombinieren und zu verwenden. Die eleganten goldenen Linien auf Tonpapier oder die mit Farbstift gezeichneten Rautenformen erinnern entfernt an die Verzierungen der Möbelstücke. Herausgelöst aus ihrer Funktion der Verschönerung werden die Ornamente aber zu konzentrierten Kompositionen. Mit den bemalten Fliesen, die sie wie Bilder an die Wand hängt, oder mit gedrechselten und bemalten Holzsäulen nimmt Claudia Wieser alte Kunsthandwerkstechniken auf und setzt sie auf eine neue, eigene Weise ein.
Christiane Rekade
So schreibt Adolf Loos gegen die «stilvollen», von den Architekten durchgeplanten Wohnungseinrichtungen seiner Zeit an – bei denen aber der «geistige Zusammenhang» mit den Bewohnern fehlte – und gab damit seine Einschätzung vom magischen, geistvollen Möbel zu erkennen.
Für ihre Einzelausstellung Portraits in der Galerie SCHAU ORT hat Claudia Wieser die Bildseiten des Buches Wiener Bürgermöbel (1740-1790), das in den 20er Jahren publiziert wurde, zur Inspirationsquelle genommen. Die schwarzweissen Lichtdruck-Bilder setzen die einzelnen Möbel prominent in Szene. Vor einer leeren Wand fast frontal zum Betrachter aufgestellt, wirken der Sessel und der Sekretär daneben wie ein Ehepaar, das vor einer Kamera posiert. Mit ihren feinen zeichnerischen Eingriffen hebt Wieser diese «Persönlichkeit» zusätzlich hervor. Sie legt eine dichte Struktur aus Bleistiftstrichen um die Möbel und lässt sie wie im Scheinwerferlicht erscheinen. Wie schon in früheren Zeichnungen, in denen Claudia Wieser die Landschaften auf alten Postkarten mit wenigen, präzisen Linien in utopische Szenerien transformierte, verändert sie in dieser Serie mit einfachen Eingriffen den Blick auf die Möbelstücke. Die Fotos der Möbel überträgt Claudia Wieser auch in eine Wandarbeit: Eine Collage aus den vergrössert kopierten Abbildungen klebt die Künstlerin direkt auf die Wand. So bearbeitet und in den Raum integriert, erscheinen sie wie architektonische Strukturen.
In ihren Arbeiten verbindet Claudia Wieser immer wieder Referenzen, Formenvokabulare und Techniken aus Kunst, Architektur und Kunsthandwerk. Den be- und verarbeiteten Abbildungen der Bürgermöbel stellt sie weitere Zeichnungsarbeiten gegenüber: Mit Blattgold oder Farbstift auf Papier, oder in Reliefs aus eingefärbtem Holz sucht Wieser nach immer wieder neuen Möglichkeiten, Formen und Ornamente zu kombinieren und zu verwenden. Die eleganten goldenen Linien auf Tonpapier oder die mit Farbstift gezeichneten Rautenformen erinnern entfernt an die Verzierungen der Möbelstücke. Herausgelöst aus ihrer Funktion der Verschönerung werden die Ornamente aber zu konzentrierten Kompositionen. Mit den bemalten Fliesen, die sie wie Bilder an die Wand hängt, oder mit gedrechselten und bemalten Holzsäulen nimmt Claudia Wieser alte Kunsthandwerkstechniken auf und setzt sie auf eine neue, eigene Weise ein.
Christiane Rekade
Weitere Informationen zu Claudia Wieser HIER

Claudia Wieser, Ohne Titel, Bleistift auf Buchseite, 23 x 33 cm
Claudia Wieser: Portraits
“Each piece of furniture, each thing, each object tells a story, the story of the family. The apartment was never finished, it developed with us and we developed in it. No doubt there was no style in it. That is to say, there was no particular foreign or old style. However, the apartment still had style, the style of its inhabitants, the style of the family.” (Adolf Loos, Ins Leere gesprochen (Spoken Into The Void, translator’s note): 1897-1900, 1st reprint, Vienna: Prachner, 1987)
This text by Adolf Loos indicates the architect’s overall negative opinion on the “stylish” apartments of his time. In his view, these home furnishings meticulously planned by other architects lacked a “spiritual connection” with their inhabitants. Instead, Loos esteemed furniture full of spirit and magic.
Claudia Wieser’s inspiration for her solo exhibition Portraits at SCHAU ORT gallery stemmed from the picture pages of the book Wiener Bürgermöbel 1740-1790 (Furniture of Vienna’s Bourgeoisie, translator’s note), which was published in the 1920s. The black and white phototype images significantly stage the individual furniture pieces. Placed before an empty wall and set frontally to the viewer, an armchair and bureau look like a married couple posing for the camera. Claudia Wieser additionally amplifies these “personalities” with delicate interventions drawn onto the images. A dense structure of pencil strokes highlights the furniture pieces and lets them appear to be standing in the beam of a spotlight. By means of a simple alteration, Claudia Wieser changes the viewer’s impression of the image. This procedure is reminiscent of some earlier drawings, in which Claudia Wieser transformed landscapes depicted on vintage postcards into utopian scenarios with a few precise lines. The artist also uses the photographs of the furniture to create a room-filling installation: a collage of enlarged photocopies is pasted directly onto the wall. Reprocessed in this manner and integrated into the gallery space itself, the images convey a semblance of architectonic structures.
In her oeuvre, Claudia Wieser often combines references, form vocabulary, and techniques of art, architecture, and craftwork. The manipulated and reprocessed images of bourgeoisie furniture are juxtaposed with another series of drawings: using gold leaf or colored pencils on paper and employing reliefs of colored wood, Wieser searches for new possibilities to combine ornament and form. Elegant golden lines or diamond shapes on paper faintly resemble the ornamentations of the furniture pieces. Removed from their function to embellish something, these ornaments transform into concentrated compositions. Thus, Claudia Wieser often employs antique craft techniques for her own purposes; for instance when working with turned and painted wooden pillars or colored tiles.
Christiane Rekade
(Translated from German)
More information on Claudia Wieser HERE
Bild: Claudia Wieser, Ohne Titel, 2010, Blattgold und Buntstift auf Tonpapier, 70 x 42 cm
“Each piece of furniture, each thing, each object tells a story, the story of the family. The apartment was never finished, it developed with us and we developed in it. No doubt there was no style in it. That is to say, there was no particular foreign or old style. However, the apartment still had style, the style of its inhabitants, the style of the family.” (Adolf Loos, Ins Leere gesprochen (Spoken Into The Void, translator’s note): 1897-1900, 1st reprint, Vienna: Prachner, 1987)
This text by Adolf Loos indicates the architect’s overall negative opinion on the “stylish” apartments of his time. In his view, these home furnishings meticulously planned by other architects lacked a “spiritual connection” with their inhabitants. Instead, Loos esteemed furniture full of spirit and magic.
Claudia Wieser’s inspiration for her solo exhibition Portraits at SCHAU ORT gallery stemmed from the picture pages of the book Wiener Bürgermöbel 1740-1790 (Furniture of Vienna’s Bourgeoisie, translator’s note), which was published in the 1920s. The black and white phototype images significantly stage the individual furniture pieces. Placed before an empty wall and set frontally to the viewer, an armchair and bureau look like a married couple posing for the camera. Claudia Wieser additionally amplifies these “personalities” with delicate interventions drawn onto the images. A dense structure of pencil strokes highlights the furniture pieces and lets them appear to be standing in the beam of a spotlight. By means of a simple alteration, Claudia Wieser changes the viewer’s impression of the image. This procedure is reminiscent of some earlier drawings, in which Claudia Wieser transformed landscapes depicted on vintage postcards into utopian scenarios with a few precise lines. The artist also uses the photographs of the furniture to create a room-filling installation: a collage of enlarged photocopies is pasted directly onto the wall. Reprocessed in this manner and integrated into the gallery space itself, the images convey a semblance of architectonic structures.
In her oeuvre, Claudia Wieser often combines references, form vocabulary, and techniques of art, architecture, and craftwork. The manipulated and reprocessed images of bourgeoisie furniture are juxtaposed with another series of drawings: using gold leaf or colored pencils on paper and employing reliefs of colored wood, Wieser searches for new possibilities to combine ornament and form. Elegant golden lines or diamond shapes on paper faintly resemble the ornamentations of the furniture pieces. Removed from their function to embellish something, these ornaments transform into concentrated compositions. Thus, Claudia Wieser often employs antique craft techniques for her own purposes; for instance when working with turned and painted wooden pillars or colored tiles.
Christiane Rekade
(Translated from German)
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Bild: Claudia Wieser, Ohne Titel, 2010, Blattgold und Buntstift auf Tonpapier, 70 x 42 cm

Claudia Wieser, Ohne Titel, 2010, Blattgold und Buntstift auf Tonpapier, 70 x 42 cm

