Seline Baumgartner, One And Others, 2011, carpet, iron sculpture, digital HD-video.
Size and floor covering variable. Video: 8 min loop
Kunst 11 Zurich
Solo Show: Seline Baumgartner, ZKB Art Award Nominee
17 - 20 November, 2011
Booth: H1. ABB Hall 550, Zurich Oerlikon
Solo Show: Seline Baumgartner, ZKB Art Award Nominee
17 - 20 November, 2011
Booth: H1. ABB Hall 550, Zurich Oerlikon

Das Konzept des homo ludens (lat. der spielende Mensch) beschreibt, wie sich unsere kulturellen Systeme wie Politik, Wissenschaft, Religion und Recht ursprünglich aus spielerischen Verhaltensweisen entwickelt und über Ritualisierungen im Laufe der Zeit institutionell verfestigt haben. Aus Spiel wird „heiliger Ernst“, und wenn sich die Regeln erst richtig „eingespielt“ haben, sind sie nicht mehr ohne weiteres zu ändern und beginnen ihrerseits Zwangscharakter anzunehmen. Friedrich Schiller hob in seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ die Wichtigkeit des Spielens erstmals hervor und sprach sich gegen die Spezialisierung und Mechanisierung der Lebensvollziehung aus. Nach Schiller ist das Spiel eine menschliche Leistung, die allein in der Lage ist, die Ganzheitlichkeit der menschlichen Fähigkeiten hervorzubringen. Schiller war es auch, der die berühmt gewordene Sentenz prägte: „[…] und er [der Mensch] ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“.
Seline Baumgartner nutzte bereits in früheren Videoarbeiten das Gleichnis des Spiels, um die menschliche Identität im sozialen Gegen- und Miteinander zu hinterfragen. In der multi-medialen Installation One And Others, weitet die Künstlerin die Metapher des Spiels auf weitere Ebenen aus: stellvertretend für das sportliche Spiel steht ein amerikanisches Football-Goal; eine Sportart, die wir vor allem mit körperlicher Kraft und oftmals brutalen Kämpfen assoziieren; beim Backgammon-Spiel, eines der ältesten Brettspiele der Welt, ist dagegen eine intelligenter Strategie sowie etwas Glück gefragt, und schließlich das musikalische Spiel, in dem der kreative Genius und künstlerisches Talent zum Erfolg führen.
Seline Baumgartners Installation läd den Betrachter dazu ein, mittels des Sinnbildes des Spiels über soziale Gegebenheiten zu reflektieren. In surreal anmutenden Bildern erzählt die Videoprojektion vom alltäglichen marschieren der Gruppe im Gleichschritt und der Autonomie eines einzelnen Straßenmusikers. Und schließlich der Esel: ein starrsinniges Tier, das sich nur zu gern gegen Regeln und Zwänge auflehnt. Es ist kein Zufall, daß in der deutschen Fabel der „Bremer Stadtmusikanten“ der Esel derjenige ist, der die Initiative ergreift und den anderen Tieren, die nach jahrelanger Arbeit für ihre Besitzer unnütz geworden sind und getötet werden sollen, eine Zukunftsperspektive aufzeigt. Er spricht den bekanntesten Satz des Märchens aus: „Etwas besseres als den Tod findest du überall“.
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1: Johan Huizinga, Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Rowohlt 1956
2: Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen (in einer Reihe von Briefen), Stuttgart 1879
(English translation coming up soon...)
Kunst 11 Zurich
LocationABB Hall 550, Ricarda-Huch-Strasse | 8050 Zürich
Opening hours
17 – 20 November 2011
Thursday and Friday 4 p.m. to 10 p.m, Saturday 11 am to 7 p.m, Sunday 11 am to 6 p.m.
Preview: Thursday 17 November 2011, 4 p.m to 10 p.m.
Vernissage: Friday 18 November 2011, 4 p.m to 10 p.m.
ZKB Art Award | Artists’ Talks
Saturday, November 19th 2011, 3 p.m., booth H1
Sunday, November 20 2011, 2 p.m., booth H2